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“Entschuldigung - ich bin erfolgreich“

“Entschuldigung - ich bin erfolgreich“ - Diskussi­onsrunde am 09. Oktober 2012 im Schickhardt - Gymnasium Stuttgart

Ludwig Dietzfelbinger, der die Vertretung des Schul­leiters übernahm, und die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Stadt Stuttgart, zugleich auch stellvertretende Vorsitzende der DOG Stadt­gruppe Stuttgart, Frau Dr. Susanne Eisenmann, machten beide in ihren Begrüßungsreden die Brisanz des Themas deutlich.

Die rund 70 Zuhörer, unter denen Lehrer, Eltern und Schüler des Gymnasiums waren, konnten anschlie­ßend in einer interessanten und kurzweiligen Ge­sprächsrunde einen Einblick in den Alltag eines Nachwuchssportlers bekommen. Gäste waren: der Olympiavierte im Surfen, Toni Wilhelm, der Landes­trainer Leichtathletik Jens Boyde, die BMX-Sportlerin Regula Runge, die Leichtathletin Leonie Karb, Rolf Stängle als „betroffener Vater“ und Trainer in einer Person, sowie der Hoffnungsträger im Geräteturnen Tarkan Dogan.

Johannes Seemüller von der TV Sportredaktion des SWR moderierte die Veranstaltung, wobei er von den Teilnehmern vor allem wissen wollte, wie Lehrer und Mitschüler mit der Sonderstellung der Nachwuchs­sportler umgehen. Auf die Fragen „Gibt es Verständ­nis für verpasste Klassenarbeiten oder Unterstützung beim Nacharbeiten des Stoffes?“ und „Interessiert sich eigentlich jemand nach einem Wettbewerb, wie ihr abgeschnitten habt?“ taten sich alle schwer eine positive Antwort zu geben.

Bei einem Blick auf einen Wochenplan aus der 12. Klasse von Regula Runge stellte sich die Frage, wie es den jungen Sportlern tagtäglich gelingt, Schule und Leistungssport in Einklang zu bringen und wie die Lehrer sie bei dieser Doppelbelastung mit bis zu 20 Stunden Training pro Woche unterstützen können.

So sprachen die Gesprächsteilnehmer über ihre Moti­vation für den Leistungssport, den Druck, den der Er­folg mit sich bringt und ihren Alltag, der nicht selten von 6 bis 22 Uhr und später mit Schule und Training vollgepackt ist.

Im Laufe der Runde wurde immer deutlicher, wie schwierig der Umgang mit Erfolg im Klassenverbund ist. Oft haben die Nachwuchsathleten Zweifel, ob ihre Leistungen überhaupt anerkannt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich viele nur im Freun­deskreis zu ihren Erfolgen äußern. Toni Wilhelm, spricht stellvertretend für alle Sportler, wenn er sagt: „Leute, die selbst keinen Leistungssport treiben, kön­nen es nicht nachvollziehen, wie es ist täglich ans Li­mit zu gehen.“ Denn viele Mitschüler verstehen ein­fach nicht, warum die Sportler so häufig im Unterricht fehlen und trotzdem oft sehr gute Noten schreiben. Dass sie vor dem Unterricht meist Training haben, Unterrichtsstoff nachholen müssen, versuchen Schule und Sport so gut es geht zu vereinbaren und außer­dem (fast) keine Zeit für Freunde bleibt, wird dabei oft vergessen.

Für die jungen Sportler ist gerade deshalb die Unter­stützung von Freunden enorm wichtig. Aber auch die Eltern übernehmen Fahrdienste, sind finanzielle Un­terstützung und Organisator, so dass den Sportlern wenigstens ein bisschen Zeit fürs Lernen bleibt.

Am Schluss waren sich alle (Nachwuchs-)Sportler einig, eigentlich müssen sie sich nicht für ihre Leis­tungen entschuldigen, denn sie haben für ihren Erfolg hart trainiert, mussten auf Vieles verzichten und kön­nen deshalb stolz darauf sein. Außerdem sind Erfolge einfach schön und eine Bereicherung für das Leben.

Und so schloss auch der Moderator die gelungene Veranstaltung, von der in Zukunft auch eine Fortset­zung geplant ist, mit einem Zitat von James Cook ab: „Mach nur einmal das, von dem andere sagen, dass du es nicht schaffst, und du wirst nie wieder auf deren Grenzen achten müssen.“                    (Meike Haase)